[Buch] Goldt, Max: Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau

Originaltitel: –
Erscheinungsjahr: 2002 (Erstveröffentlichung: 1993)
Seiten: 299
Genre: Kolumnen, Popliteratur (letzteres nur unter Vorbehalt)
Kaufempfehlung: ja

Klappentext:
Ich sagte: Gleich kommt ein Erdbebenfilm im Fernsehen. Darauf riefen die Frauen, dass sie sich, wenn ich den gucke, im Badezimmer verstecken würden. Ich entgegnete: Wieso denn? Ist doch nur Fernsehen! Dann schauten wir aus dem Fenster. Unter uns stürzten Gebäude und Brücken ein. Die Frauen rannten ins Badezimmer und schrien: Komm auch, komm auch! Ich sagte: Wieso denn? Ist doch nur Fenster!

Meine Meinung:
Über den Namen Max Goldt bin ich bei den Vorbereitungen zu meiner Magisterarbeit immer mal wieder gestolpert. Benjamin von Stuckrad-Barre hat ihn in mindestens einem seiner Bücher erwähnt und auch in Aufsätzen und Artikeln über die Popliteratur der 90er Jahre kommt er am Rande immer mal wieder vor. Deshalb stand Max Goldt schon länger auf meiner „To Read“-Liste.
Vor den Quitten hatte ich bereits Die Radiotrinkerin und QQ von ihm gelesen – und vollständig vergessen. Ich kann mich an absolut nichts erinnern, vielleicht mal abgesehen von den Covern der beiden Bücher. Ich bin mir selbst gerade nicht sicher, wie ich das nun deuten soll. Einerseits kann ich meinen – zugegeben spärlichen – Notizen entnehmen, dass ich mich beim Lesen beider Bücher gut amüsiert habe, andererseits scheint mir jemand die Erinnerung an den Inhalt aus dem Schädel gewischt zu haben.
Bei Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau handelt es sich jedenfalls um eine Sammlung von Max Goldts Kolumnen aus dem Satiremagazin Titanic aus den Jahren 1989 bis 1992.

„Es gibt Texte, in denen bombastische Übertreibungen, nützliche Informationen, zartes, lyrisches Sehnen, kesse Leseransprache, nüchterne Gesellschaftskritik, privates, verlorenes Murmeln und trotziges Poltern friedensreich koexistieren. Manche Texte sind allerdings auch ganz normale Texte.“

Ich glaube, dieses Zitat aus dem Vorwort beschreibt das Buch ganz gut. Man wird mit Häppchen von mehr oder minder privaten Details und Begebenheiten gefüttert, die mal mehr und mal weniger Wahrheiten oder gar Informationen beinhalten. Unnützes Wissen (u.a. über Quitten ;)) steht neben/nach/vor Reisebeschreibungen in die USA und Gedanken zum Mauerfall mischen sich mit der Nacherzählung seiner Hochzeit in Berlin.

Sehr amüsant fand ich persönlich die Beschreibung Angela Merkels aus dem Jahr 1992:

„Ich gelte als ein Bruder von Ministerin Merkel. Der traut man außer Schlurfen, Schleichen und Schlafen auch nichts zu. Wenn in der Tagesschau kommt, wie sie in ihrem Dienstwagen irgendwohin chauffiert wird, sieht sie aus wie eine sympathische dorfbewohnerin, die in einem Preisausschreiben der Bonn-Werbung einen Tag in Bonn incl. Fahrt in einer richtigen Politikerlimousine gewonnen hat. […] Ich glaube z.B. dass sie, wenn sie Suppe isst, unglaublich lange ihren Löffel anpustet und sagt ‚Heiß, heiß‘.“

So ungefähr sehe ich Frau Merkel auch heute (noch). Generell hab ich die Beschreibungen, sei es nun von Menschen, Geschehnissen, Obst, Seen oder sonstigen Dingen sehr genossen, denn oft scheint er Sichtweisen einzunehmen, die zumindest mir vorher nie aufgefallen sind. Ein bisschen schwurbelig war mir nach der letzten Seite trotzdem, aber fast fünfzig Kolumnen am Stück zu lesen, war wahrscheinlich einfach keine gute Idee von mir. Ab und zu mal eine oder zwei wären vielleicht sogar noch amüsanter und weniger anstrengend gewesen.

Fazit:
Ich hab mich beim Lesen einfach wohl gefühlt und sicherlich auch das eine oder andere über unbeliebtes Obst gelernt, aber im Gedächtnis wird mir auch von Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau nicht bleiben. Damit streiche ich Max Goldt dann wohl auch von meiner „To Read“-Liste. Allen, die noch nichts von ihm gelesen haben, lege ich trotzdem nah eben dieses zu tun. :)

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~ von Sasy - Januar 17, 2010.

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