Wir kaufen nix.

Mir ist gerade mal wieder aufgefallen, dass es hier in Bad Oeynhausen von Klinkenputzern und Spendenbittstellern wimmelt. Mindestens 2x pro Woche (so oft habe ich es in anderen Städten bisher nie erlebt!) steht irgendjemand mit einem Klemmbrett vor der Tür und möchte mir „nur ein paar Fragen stellen“ oder mir „brandaktuelle Informationen“ geben. Im Endeffekt läuft es immer auf das gleiche hinaus – Geld.

Dass diese Leute nur ihren Job machen, ist mir völlig klar und ich bin alles andere als unfreundlich. Viele akzeptieren ein höfliches ‚Nein, danke‘ und gehen ihres Weges, aber immer wieder sind welche dabei, die mich mit Empörung überschütten. Heute auch wieder. Behindertenfahrten, die vom Kreis gekürzt wurden und nun auf Spenden angewiesen sind – was auch immer. Ein einfaches „Tut mir leid, aber ich möchte im Moment nichts geben.“ wird dann natürlich abgeblockt mit dem Hinweis, dass die Zahlungen ja erst ab Juli laufen würden. Ist für mich allerdings gehupft wie gesprungen, denn nächsten Monat hab ich auch nicht mehr Geld auf dem Konto als diesen. Da wurde dann schnell die „Aber was ist, wenn Sie in diese Situation kommen“-Karte gezogen und die Mundwinkel nach unten geschraubt. Meine Standardantwort dafür ist, dass ich mich dann freuen würde, wenn andere Leute freiwillig etwas spenden, aber dass sich damit trotzdem nichts an meiner aktuellen Meinung ändert. Dass ist meistens der Moment, in dem der Klemmbrettmensch tief Luft holt und zu einer „Ich bin empört! Wie schlecht ist diese Welt doch geworden!“-Rede ansetzt und heute habe ich die Tür einfach mal dreist geschlossen. Gibt es ernsthaft Menschen, die sich von so einer Schimpftirade umstimmen lassen?

Ich weiß, dass viele meinen Standpunkt nicht verstehen können und dann immer dieses „Aber was ist, wenn es dir passiert…“ kommt, aber ich kann auch morgen stolpern und in einer Pfütze ertrinken – alleine deswegen kaufe ich mir heute bestimmt keine teure Schwimmweste. Ich bin dankbar, wenn mir jemand eine Schwimmweste umpappt, wenn ich kurz vorm Exitus bin, aber ich würde niemanden dazu zwingen. Die meisten reagieren darauf mit Unverständnis. Ähnlich ist es, wenn ich erzähle, dass ich zwar einen Organspendeausweis in meiner Brieftasche habe, auf diesem aber die Option „Nein, ich widerspreche einer Entnahme von Organen“ angekreuzt ist. Immerhin ist diese Option sogar aufgeführt auf dem Ausweis. Aber immer wieder kriege ich zu hören „Was ist denn, wenn du selber ein Spendeorgan brauchst?“. Auch hier gilt für mich, dass ich dann sicherlich froh und unendlich dankbar bin, wenn jemand seine Organe zur Verfügung stellt, aber ich mache auch niemandem einen Vorwurf, wenn er es nicht tut.
Unverständlich für viele, aber ich lasse mir kein schlechtes Gewissen einreden.

Und um wieder zum Spenden-/Bettelthema zurückzukommen: Neben der Tatsache, dass einige Leute wirklich schwierig abzuwimmeln sind, stört mich in erster Linie, dass es sich immer um „Spendenabos“ handelt. Fast ausnahmslos jedes Mal werde ich gebeten mich ein oder sogar zwei Jahre zu verpflichten. Alleine das ist schon ein absolutes No-Go. Einmalspende gerne, aber die einzigen, die mir das bisher angeboten haben, waren die Johanniter und die wollten dann gleich mal 25€ Mindesbetrag haben. :(
So wird das nix, Leute.

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~ von Sasy - Juni 11, 2010.

4 Antworten to “Wir kaufen nix.”

  1. Du brauchst ein „Warnung vor dem Hunde“-Schild! ;)

    Nein, ehrlich. Fragen kann ja jeder, aber ein NEIN nicht zu akzeptieren, ist dreist und ungezogen. Dem muss nicht mit Höflichkeit begegnet werden, ich hätte auch die Tür zugemacht.

    Natürlich ist jeder, der Hilfe braucht, dankbar, wenn sie geleistet wird.
    Ob ich selbst (im Augenblick) Hilfe leisten kann, kann aber nur ich selbst beurteilen und niemand sonst.
    Außerdem ist eine Spende für mich immer eine absolut freiwillig getätigte Abgabe, als „Sammler“ hätte ich echte Probleme damit, Spenden anzunehmen, die ich den Betreffenden regelrecht abringen muss. (Stolperfalle für alte Leute und so…)

    Zum Thema Organspendeausweis: gerade das Nein-Kreuzchen ist ein wichtiges Kreuzchen, das sicher nicht ohne Grund gesetzt wird.
    Lass dir kein schlechtes Gewissen machen, das ist deine Privatangelegenheit.

    Und Heiteres zum Ende: Eine Bekannte von mir füllte damals ihren Organspendeausweis mit „Ja, mit Ausnahme von“ aus und wies ausdrücklich darauf hin, was sie nicht spenden wollte: ihr GEHIRN. *ggg*

  2. Bei mir hats letztens schon früh morgens geklingelt. Als ich dann verpennt die Tür offnete, weil ich dachte es sei vielleicht der Postmann mit einem Paket, stand da auch wieder so ne Trulla mit Klemmbrett. Und dann sagt die doch tatsächlich: „Hallo junger Mann, sag mal, sind deine Eltern zu Hause?“. Ich bin 23 und wohne alleine. Daraufhin habe ich die Tür einfach zu gemacht…

  3. @Ana: Wenn es die Möglichkeit gäbe, Gehirne zu transplantieren, wäre das wohl das einzige, was ich nach meinem Tod gerne hergeben würde. Mir fallen spontan nämlich eine ganze Menge Leute ein, die es gebrauchen könnten. ;)

    @PhillyH: Frühmorgens, Klemmbrett und dann noch ungefragt duzen -> Hattrick! Sowas geht ja mal gar nicht…

  4. In solchen Momenten bin ich immer froh, dass wir nun (seit dem Umzug im letzten Jahr) einen Spion haben. Irgendwer lässt die Spendensammler nämlich immer ins Haus und dann wird direkt vor der Wohnungstür geschelllt. Gut, dass ich dies nun sehe und entscheiden kann, die Tür erst gar nicht zu öffenen.

    Muss ich nicht haben, denn wie du schon meintest, sollten Spenden eine freiwillige Angelegenheit sein. Wenn ich einer Organisation spenden möchte, tue ich dies von selbst, da muss mich keiner für überreden oder gar vor der Wohnungstür mit 08/15-Argumenten überfallen.

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