[Challenge] 5 Bücher = 5 Länder -> Nordirland

Sansom, Ian: So schnell wackelt kein Schaf mit dem Schwanz. Ein Roman aus der irischen Provinz.
Originaltitel: The Mobile Library. Mr Dixon Disappears
Erscheinungsjahr: 2008
(Erstveröffentlichung: 2006)
Seiten: 265
Leseempfehlung: jein

Klappentext:
Schräg, komisch und herzerfrischend irisch.
Mit einem Bus voller Bücher durch die irische Provinz – das Leben könnte schlimmer sei. Der mobile Bibliothekar Israel Armstrong hat sich gerade mit seiner neuen Heimat und deren kauzigen Bewohnern angefreundet, als ihm das Schicksal ein Schnippchen schlägt. Weil er zufällig in der Nähe ist, als der vermögende Mr. Dixon verschwindet, wird er des Mordes bezichtigt und verliert dadurch sowohl Job als auch Gefährt. Israel hat keine Wahl: Er holt sich – auf nicht ganz legale Weise – den klapprigen Bücherbus zurück und macht sich selbst auf die Suche nach Mr. Dixon.

Meine Meinung:
Beim Abtippen des Klappentextes hab ich gerade etwas gestutzt und noch mal in den Text geguckt, denn auch wenn auf dem Buchumschlag 3x „irisch“ steht, spielt das Buch tatsächlich in Nordirland. Mein Gedächtnis hat mich also doch nicht im Stich gelassen. Und ich glaube, auf die Unterscheidung zwischen der Republik Irland und der britischen Provinz Nordirland sollte man auch im Klappentext Wert legen.
So schnell wackelt kein Schaf mit dem Schwanz ist der zweite Teil einer bisher vier Bände umfassenden Reihe, die sich um den englischen Bibliothekar Israel Armstrong dreht. Den hat es nämlich in die nordirische Provinz verschlagen, besser gesagt ins fiktive Dörfchen Tumdrum. Dort arbeitet er in der fahrenden Bücherei und schläft in einem umgebauten Hühnerstall. Alleine das reichte beim ersten Band schon aus um mein Herz zu erobern. :) Trotzdem hab ich lange gebraucht um das zweite Buch anzufangen, nach dem ersten Absatz vom Schaf hab ich mich allerdings gefragt, wieso ich diese Reihe so lange vernachlässigt habe.

Er hatte die Entschuldigungen und Lügen, die Ausflüchte und Unwahrheiten satt. Er war es leid, dass die Leute sich weigerten, Farbe zu bekennen und für das, was sie taten, die Verantwortung zu übernehmen. Das alles kam ihm vor wie ein weiterer Hinweis auf den Untergang der westlichen Zivilisation. Das Chaos. Den Klimawandel. Die Umweltkatastrophe. Da lauerten Kriege, Hunger und Unterdrückung, der ewig andauernde, weiter und weiter um sich greifende Niedergang. Alles, aber wirklich alles kam da zusammen: Entropie, Nemesis, Apotheose, die bevorstehende Apokalypse und, ganz simpel, schlechte Manieren.
Die Leute brachten ihre ausgeliehenen Bücher nicht rechtzeitig zurück.

Die Hauptfigur Israel ist symapthisch und so lebensecht geschrieben, dass ich nicht überrascht gewesen wäre, wenn mir irgendwann ein jüdischer Vegetarier mit Tweedjackett entgegengesprungen wäre, der von seiner ländlichen Umgebung so genervt ist, dass er sein Heil außerhalb des Buches sucht.

„Ah, ja, George“, sagte Israel. „Meine Sachen -“
„Ja?“
„Die liegen draußen auf dem Hof. […] Kann ich [sie] wieder in den Stall räumen?“
„Nein, Armstrong“, sagte George. „Wir brauchen den Hühnerstall.“
„Wie meinen Sie das, Sie brauchen den Hühnerstall? Wofür?“
„Für die Hühner.“
„Aber heute Morgen brauchten Sie ihn doch noch nicht!“ […]
„Die Hühner müssen in den Stall“, sagte George.
„Aber da wohne ich!“, sagte Israel.

Das Verschwinden des örtlichen Kaufhausinhabers rückt bei allen Fettnäpfchen, in die Israel sich mit Anlauf wirft, fast in den Hintergrund, aber das hat mich überhaupt nicht gestört. Ich war glücklich damit, die Landluft quasi schnuppern und mich über die Marotten der Tumdrumer beömmeln zu können.
Die beiden Folgebände der Reihe stehen schon auf meinem Wunschzettel und ich bin mir sicher, dass ich mir damit nicht wieder so viel Zeit lassen werden.

Fazit:
Wer einen knallharten Kriminalroman erwartet, der wird bei Ian Sansom und seinem Bibliothekar Israel enttäuscht. Wer aber gerne humorvolle Romane liest und Großbritannien-Fan ist, dem kann ich diese Buchreihe nur empfehlen.

P.S.: Ian Sansoms Hompage ist definitiv einen Klick wert (alleine das Design reicht schon um mich zum schnurren zu bringen). Ich verweise besonders auf die FAQ!  ;)

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~ von Sasy - Juli 6, 2010.

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