[Challenge] 5 Bücher = 5 Länder -> England

Austen, Jane: Stolz und Vorurteil
Originaltitel: Pride and Prejudice
Erscheinungsjahr: 2006
(Erstveröffentlichung: 1813)
Seiten: 426
Leseempfehlung: ja

Klappentext:
Die Geschichte von Stolz und Vorurteil ist die Geschichte eines Erfolgs. Dieser Gesellschaftsroman aus dem ländlichen England des 18. Jahrhunderts ist in unzähligen Ausgaben in der Welt verbreitet, er gelangte als Musical auf den Broadway und wurde mehrfach verfilmt.

Meine Meinung:
Bei Stolz und Vorurteil ist es wohl unnötig eine Inhaltsangabe zu geben – das dachte sich der Klappentextschreiber und davon bin ich auch überzeugt. Es gibt Werke, bei denen reicht der erste Satz als Stichpunkt und man kann sich Inhalt und Umgebung des Romans genau vorstellen.

Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass ein Junggeselle im Besitz eines schönen Vermögens nichts dringender braucht als eine Frau.

Ich gebe zu, dass ich zu Jane Austen nicht das beste Verhältnis habe. Ich kenne zwar einige Verfilmungen, aber vor den Romanen bin ich bisher immer zurückgeschreckt. Generell liegen mir englische Romane des frühen 19. Jahrhunderts nicht wirklich, denn ich kann mich schwer in sie hineinversetzen und bin schnell angeödet von dem ganzen Courtship-Hin-und-Her und der oftmals belehrenden „Stimme aus dem Off“. Aber die 5er Challenge war eine gute Gelegenheit um meine Animosität zur Seite zu legen und einfach mal drauflos zu lesen.

Und dabei habe ich mir eingebildet, wunder wie klug zu sein, als ich ihn ohne jeden Grund so unsympathisch fand. Es beflügelt den Geist so, es öffnet dem Witz so viele Türen, eine entschiedene Antipathie zu hegen. Man kann sich ständig abfällig geben, ohne gerecht zu sein. Aber man kann einen Mann schließlich nicht ständig auslachen, ohne ab und zu über etwas Geistreiches zu stolpern.

Ich habe die Lektüre von S&V genossen. Stellenweise habe ich zwar mein Fontane-Seufzen™ von mir geben müssen, weil es mir einfach zu langsam voran ging, aber im Großen und Ganzen wurde ich tatsächlich positiv überrascht. Alle Figuren waren mir auf Anhieb sympathisch, auch wenn ich Elizabeth manchmal gerne leichte Schläge auf den Hinterkopf verpasst hätte. Da ich mich nur an wenige Sachen aus der Verfilmung (1995, Colin Firth als Mr. Darcy und Jennifer Ehle als Elizabeth Bennett) erinnern konnte, hatte ich auch nur wenige Bilder im Kopf und nach einigen Seiten waren auch die weg und ich konnte mich komplett auf das Buch einlassen. Ich habe mich mit Elizabeth wegen ihrer Mutter geschämt, ihren Vater hingegen heiß und innig geliebt und ich bin mit ihr über die Wege auf Pemberley gegangen – und dabei auf einen schüchternen und verwirrten Darcy gestoßen. Ich habe mich über Lydia und Wickham geärgert und mit Jane um Bingley geweint und gelacht.
Ich war in England zu Beginn des 19. Jahrhundert. :)

Sie begann nun einzusehen, dass er nach Charakter und Anlagen der für sie geeignetste Mann war. Sein Verstand und Temperament, obwohl von ihren so verschieden, hätten genau ihren Wünschen entsprochen. Ihre Vereinigung wäre zu ihrer beider Vorteil gewesen: Er wäre durch ihre Zwanglosigkeit und Lebhaftigkeit weniger herrisch und reserviert geworden, und ihr wären sein Urteil, seine Weltkenntnis und seine Erfahrung noch mehr zugute gekommen.

Tatsächlich habe ich mit S&V wohl meine Angst vor Jane Austen endgültig begraben. Ich denke, dass nach und nach auch ihre weiteren Romane bei mir Einzug halten werden – und an die Verfilmungen wage ich mich wohl auch ein weiteres Mal heran.

Fazit:
Unter Zwang sollte man Stolz und Vorurteil nach Möglichkeit nicht lesen, aber ich glaube, dass jeder Literaturliebhaber irgendwann bereit dazu ist, es mit Jane Austen und ihrer Lebens-/Romanwelt aufzunehmen. Möglicherweise muss man sich im richtigen Alter oder in der richtigen Stimmung befinden, aber dann sollte man auch zugreifen und sich ganz der Lektüre hingeben. Tee, ein gemütliches Sofa, keine Türklingel, kein Telefon und hinein ins Vergnügen. :)

~ von Sasy - August 12, 2010.

11 Antworten to “[Challenge] 5 Bücher = 5 Länder -> England”

  1. Kann ich nur bestätigen, für manche Bücher muss man in der richtigen Stimmung oder sogar im richtigen Alter sein. Mal aus reiner Neugier: Nach was richtet es sich bei Dir eigentlich, ob Du ein Buch im Original oder in der deutschen Übersetzung liest?

  2. Oh ich freue mich, daß Dir Austens S&V so gut gefallen hat. Und noch mehr freue ich mich, daß Du auch auf ihre weiteren Romane neugierig geworden bist, die ähnlich und doch jeweils ganz anders sind.

    Ich empfinde übrigens genau wie Du: Manchmal „paßt“ das Buch nicht zu mir oder ich nicht zu ihm … und nach ein paar Jahren stimmt es dann (oder auch nicht mehr ;), erlebt man ja auch).

    Lg Natira

  3. Ach, das hast du schön geschrieben! :) Toll, dass du deine Jane-Austen-Animosität überwinden konntest und das Buch genossen hast. Die Autorin hat einfach wunderbare Charaktere geschaffen, witzig, selbstkritisch und doch ungemein menschlich.

    Man schämt sich beim Lesen so für Mrs. Bennets Verhalten – und doch ist einem auch bewusst, dass sie nur versucht ihrer Töchter gut zu versorgen. Und das in einer Zeit, in der ein Mädchen dieser Gesellschaftsschicht nur seinen Wert besaß, wenn die Familie Beziehungen oder Geld hatte …

    Ich hoffe sehr, dass du bald weitere Bücher von Jane Austen genießen kannst. :)

  4. @Anke: Ob ich ein Buch im englischen Original oder in der deutschen Übersetzung lese, ist meistens davon abhängig, wie es mir über den Weg läuft. Ich kaufe ja viel auf Flomärkten oder in Second-Hand-Läden und da greife ich einfach ins Regal, wenn ich ein interessantes Buch sehe. Wenn ich in einer Buchhandlung bin oder online Bücher kaufe, dann gucke ich auch auf den Preis. Oft sind die englischen Ausgaben ja billiger als die deutschen und dann wäge ich meine eigene Faulheit ab (deutsch kann ich schneller und müheloser lesen als englisch) und entscheide danach. ;)

    @natira: Genau, es gibt Bücher, die mag man nur in bestimmten Situationen oder Lebensabschnitten. Ich mochte früher zum Beispiel Max Frisch überhaupt nicht – heute finde ich ihn großartig. Umgekehrt ging es mir mit Friedrich Dürrenmatt, den ich heute gar nicht mehr ab kann. *mäh*

    @Winterkatze: Zuerst einmal: Herzlich willkommen auf meinem Blog! :) Oder hab ich einen früheren Kommentar von dir übersehen?
    Ich sehe das genau so wie du. Ich hab an jeder Figur etwas Gutes gefunden, auch wenn ich mich für Mrs. Bennett geschämt habe und sehr wütend auf Wickham war. Lydia war mir auch sehr unsympathisch, aber irgendwie hab ich ihre Begeisterung und ihren Überschwang doch verstanden… ich seh schon, S&V ist ein Buch, dem eine zweite Lektüre sicherlich nicht schadet. :)

  5. Hach, Ihr macht mich auf Jane Austen richtig neugierig, das werde ich mir mal aus Papas Bücherregal angeln.
    Im Studium habe ich viel Gefallen an einigen Klassikern gefunden, z.B. „Mrs. Dalloway“ von Virginia Woolf, „The Importance of being Earnest“ von Oscar Wilde oder „The Taming of the Shrew“ von Shakespeare. Eines meiner absoluten Lieblingsbücher ist „To Kill a Mockingbird“ von Harper Lee – und kennst Du die genialen Gedichte von Emily Dickinson?
    So much to read, so little time… :D

  6. @Anke
    Du bringst mir in Erinnerung, daß ich hier noch einen Gedichtband von Emily Dickinson stehen habe. In die Lyrik habe ich bislang immer nur vereinzelt Ausflüge unternommen … Auf E.D. war ich neugierig, seitdem ich – nicht lachen bitte – von ihr das erste mal in Buffy gehört hatte. In meiner Schulzeit und bis Buffy hatte ich von E.D. nie etwas gehört ;)

  7. @Sasy: Ich glaube auch, dass das mein erster Kommentar bei dir war. ;)

    Jane Austen ist manchmal gnadenlos in ihrer Charakterdarstellung – und doch gelingt es ihr die Leute so zu beschreiben, dass man ihre Beweggründe (fast immer) nachvollziehen kann. Hach, ich mag ihre Bücher einfach. :) Wenn du dir noch eine Runde S&V vornimmst, wie wäre es dann vielleicht mit einem Hörbuch? Mir geht es oft so, dass eine gute Sprecherin mich wieder ganz andere Facetten in den Geschichten entdecken lässt …

    @Natira: Warum sollte man lachen? Das schöne an Buffy sind doch die ganzen Anspielungen auf Literatur, Film und andere Medien. :) Ich habe mich mal mit John Donne auseinandergesetzt, weil er ständig in einem Krimi erwähnt wurde (damals konnte ich aber nicht viel mit seinen Werken anfangen ;) ).

  8. Ok … Über Kreuzworträtselraten im Troll bin ich vor … ähm langer Zeit auch zu Jane Austen gekommen, weil ständig nach „Emma“ gefragt wurde :)

    John Donne mußte ich jetzt auch erst einmal nachschlagen ;)

  9. @Anke: „To Kill a Mockingbird“ habe ich letztes Jahr zum ersten Mal gelesen und war sehr beeindruckt. Emily Dickinsons Gedichte kenne ich gar nicht – was aber wohl daran liegt, dass ich mit Lyrik wenig anfangen kann. Aber vielleicht nutze ich das als Einstieg in die Welt der Gedichte… *amazonwunschzettel aufruf*

    @Winterkatze: S&V als Hörbuch ist eine sehr gute Idee. Dann vielleicht sogar im englischen Original. Mal gucken, ob ich eine mir sympathische Sprecherin finde. :)

    @natira: Du glaubst gar nicht, über was für verwinkelte Wege ich schon zu Büchern und Autoren gekommen bin. TV-Serien, die mit Zitaten und Anspielungen um sich schmeißen sind da nur ein Beispiel. ;)

  10. Was das S&V Hörbuch angeht, kann ich Dir für das englische Original keinen Tipp geben, aber in deutsch: Eva Matthes, (Argon-Verlag-Version (gibt es auch bei a*dible*, vollständig) liest meiner Ansicht nach wunderbar!

  11. Mir hatte Eva Mattes bei „Verstand und Gefühl“ auch gut gefallen – „Stolz und Vorurteil“ habe ich noch nicht weit genug gehört, um mir wirklich ein Urteil bilden zu können. Aber sie betont die Sprache sehr schön. :)

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