[Buch] Fry, Stephen: The Fry Chronicles. An Autobiography

Erscheinungsjahr: 2010
Seiten: 438
Genre: Biographie
Kaufempfehlung: ja (unter Vorbehalt)

Klappentext:
Stephen Fry arrived at Cambridge on probation: a convicted fraudster and thief, an addict, liar, fantasist and failed suicide, convinced that any moment he would be found out and flung away.
Instead, university life offered him love, romance and the chance to stand on a stage and entertain. He met and befriended bright young things like Emma Thompson and Hugh Laurie and (after working out how to cheat the university examination system) emerged as one of the most promising comic talents in the country.
This is the intriguing, hilarious and utterly compelling story of how the Stephen the nation knows (or thinks it knows) began to make his presence felt as he took his first tentative steps in the world of television, journalism, radio, theatre and film. Shameful tales of sugar, shag and champagne jostle with insights into credit cards, classic cars and conspicuous consumption, Blackadder, Broadway and the BBC.
For all its trademark wit and verbal brilliance, this is a book that is not afraid to confront the aching chasm that separates public image from private feeling. Welcome to The Fry Chronicles, one of the boldest, bravest, most revealing and heartfelt accounts of a man’s formative years that you will ever have the exquisite pleasure of reading.

Meine Meinung:
Vor 13 Jahren erschien Moab Is My Washpot, der erste Teil von Stephen Frys Autobiographie. Lange hat er sich Zeit gelassen für den zweiten Teil, aber nun ist er da und ich habe meinen Bis-Weihnachten-kaufe-ich-keine-Bücher-mehr-Vorsatz gebrochen. Für Mr. Fry darf ich das, er ist immerhin „a national f*cking treasure“. ;)
Während Moab sich mit den ersten 20 Lebensjahren Frys beschäftigt, gehen die Chronicles einen kleineren Schritt und enden bereits kurz nach seinem 30. Geburtstag. Zehn Lebensjahre auf knapp 400 Seiten zusammengefasst.

I really must stop saying sorry.

Alleine der erste Satz ist schon so fry-typisch, dass ich gar nichts anderes kann als beim Weiterblättern dümmlich vor mich hin zu grinsen – nur um gleich eine Seite weiter in ein sehr liebevolles „Aaaaawww!“ auszubrechen…

If a thing can be said in ten words, I may be relied upon to take a hundred to say it. I ought to apologize for that. I ought to go back and ruthlessly prune, pare and extirpate excess growth, but I will not. I like words – strike that, I love words“

Stephen Fry zu lesen oder ihm zuzuhören erzeugt in mir immer ein warmes, gemütliches Gefühl – ungefähr vergleichbar mit dem entspannenden Gefühl sich in einen weichen Sessel vor einem bollernden Kachelofen zu schmeißen, nachdem man sich stundenlang durch 50cm Neuschnee gekämpft hat. Seine Art mit Worten zu spielen, sie manchmal fast manisch alliterierend aneinanderzureihen und zu vermischen ist unverkennbar. Bei mir kommt es durchaus auch hin und wieder vor, dass ich durch die Freunde an seinen Wortzusammenwürfeleien ganze Absätze hindurch gar nicht auf den Inhalt achte, sondern mich einfach durch Frys literarische „Stimme“ einlullen lassen. Netterweise sieht er so etwas meistens voraus und holt einen immer wieder durch etwas Unerwartetes in die Realität zurück.
So schreibt er beispielsweise eine kleine Einführung in die Oxbridge-Welt:

You live and eat in your college and attend supervisions arranged by the dons in your college for which you write essays, but you go to lectures and are ultimately examined by the university faculties whicht are outside the college. […] Would it help if I said colleges are like Hogwarts houses, Hufflepuff and Ravenclaw and so on? I have a horrible feeling it might…

Die gesamten Chronicles hindurch ziehen sich solche Verwicklungen von durchaus ernsten, interessanten und zum Teil wissenschaftlichen Informationen mit humorigen und persönlichen, nicht minder interessanten Einwürfen. Stephen Fry zeichnet nicht nur seinen Lebensweg von 1977 bis 1987 auf, sondern reicht gleich auch noch jede Menge Hintergrund zur Entwicklung der britischen Comedy-Szene dazu. Auch eine kleine Geschichte der Kommunikationstechnik ist enthalten – wie man es bei einem Autor, der bekennender Technik-Junkie ist, nicht anders erwartet.
Trotz allem nehmen die autobiographischen Beschreibungen den Großteil des Buches ein. Man erfährt von Frys Versagensängsten vor, während und nach Cambridge, die ersten Begegnungen mit Emma Thompson, Ben Elton und natürlich Hugh Laurie werden ausführlich beschrieben und auch seine Neigung zur Sucht (sei es nun Zucker, Technik, Hemden, Zigaretten oder Selbstzweifeln) wird zur Sprache gebracht.

It is a matter of extreme good fortune that, handsome as Hugh is, prodigiously gifted as he is, funny and charming and clever as he is, I have never felt an erotic stiring for him. How catastrophic, how painfully embarrassing that would have been, how disastrous for my happiness, his comfort and any future we might have had together as comedy collaborators. Instead our instant regard and liking for each other developed into a deep, rich and perfect mutual love that the past thirty years has only strengthened. The best and wisest man I have ever known, as Watson writes of Holmes. I shall stop before I get all teary and stupid.

Wer sich dieses Buch allerdings kauft um etwas über Hugh Laurie zu erfahren, wird eher enttäuscht. Stephen Fry hält sich durchgängig zurück mit tiefergehenden Informationen über den House-Darsteller und wirft nur hin und wieder eine kurze liebevolle Bemerkung über ihn ein. Wie auch über die meisten anderen seiner Bekannten. Negative Urteile gibt Fry tatsächlich nur über sich selbst ab.

Not only was I a seventeen-year-old trying to look like a compound of Wilde, Coward, Fitzgerald and Firbank, I was a seventeen-year-old in a Gatsby-style suit and starched wing collar smoking coloured cigarettes through an amber cigarette holder. It is extraordinary that I escaped a violent beating.

Ja, er geht hart mich sich, bzw. seinem Ich der 70er und 80er Jahre ins Gericht und immer wieder scheinen seine Minderwertigkeitskomplexe und seine Depressionen durch, aber das macht dieses Buch für mich so wertvoll. Man hat das Gefühl eine aufrichtige und emotional verknotete Biographie zu lesen – ein Glücksfall nach der Bio von Bobbele, die ich vor kurzem gelesen habe. Stephen Fry hardert nicht nur mit seinen Erinnerungen, er bringt dieses Hardern und Zaudern auch dem Leser nahe.

So it may very well be that I am just a great big cissy and that my miseries and worries are nothing compared to yours. Or perhaps I am the bravest man on the planet and that, if any of you were to experience a tenth of the sorrows I daily endure, you would scream in agony. […] No matter how confident we may appear to others, inside we are all sobbing, scared and uncertain for much of the time. Or perhaps it’s just me.
Oh God, perhaps it really is just me. […]
And if I am not alone, then neither are you, and hand in hand we can marvel together at the strangeness of the human condition.

Ich besitze alle Bücher, die Stephen Fry geschrieben hat, ob Roman, Reisebericht oder Biographie, und kein einziges hat mich bisher enttäuscht. Immer wieder versinke ich in den zum Teil gewaltigen Wortgebirgen, die der Autor erschafft und erfreue mich an Inhalt und Form. Bei Stephen Fry muss man nämlich nicht zwischen einem von beiden wählen, seine Bücher bieten immer das Gesamtpaket.
Und sie sind – so depressiv und selbstzerstörerisch sie manchmal auch sein mögen – auch immer für einen Lacher gut.

I am put in mind of the cock tales they tell of Cocteau’s cocktail parties. They say that Jean Cocteau, to amuse his friends, could lie back naked on a table and bring himself to full ejaculatory orgasm without touching himself, through the power of imaginative thought alone. I have a similar gift. I can make myself vomit by picturing skin on hot milk, custard or coffee. We can both make hot fluids spit and spurt from our bodies. I can’t but feel that Cocteau’s party piece is always likely to be more in demand than mine.

Fazit:
Aus eigener Erfahrung weiß ich bereits, dass Stephen Fry sehr polarisierend ist. Entweder man liebt ihn und seine Eigenheiten auf den ersten Blick oder man hasst ihn abgrundtief. Aus diesem Grund kann ich The Fry Chronicles nur denjenigen empfehlen, die zur ersten Gruppe gehören… allen anderen ist meine Verachtung gewiss. ;)

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~ von Sasy - Oktober 10, 2010.

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