Do you speak english?

Vor ein paar Tagen bin ich mal wieder über einen kuriosen Übersetzungsfehler in einem Buch gestolpert:

In Charlaine Harris‘ Ein Vampir für alle Fälle (nur mal so nebenbei: Wer denkt sich die deutschen Titel für diese Buchserie aus? Wie kommt man von From Dead to Worse zu Ein Vampir für alle Fälle?) liest man auf Seite 185 (der dtv-Ausgabe von 2009):

„Eric wird nicht allzu erfreut sein“, sagte Pam mit einem wissenden Lächeln. „Du hast dich wegen der Werwölfe in Gefahr begeben. Und du weißt ja, was für eine geringe Meinung er von ihnen hat.“
„Ja, ja, ja“, erwiderte ich, denn es war mir völlig egal. „Eric soll Drachen steigen lassen.

Und jetzt mal der gleiche Abschnitt im Original:

„Eric won’t be happy,“ Pam said with an anticipatory smile. „You endangered yourself because of the Weres. You know he holds them in low esteem.“
„Yeah, yeah, yeah,“ I said, not caring one little bit. „He can go fly a kite.

Lieber Übersetzer… Kontext!!einself!
„to fly a kite“ hat umgangssprachlich jede Menge Bedeutungen, aber Spielzeuge in Wind uns Stromleitungen zu werfen ist eher selten gemeint. Ins Deutsche übersetzt man Sookies Aussage wohl besser mit „Er soll sich verpissen.“ oder etwas weniger drastisch mit „Er soll sich um seine eigenen Sachen kümmern.“
Ja, das ist kleinlich, denn viele hätten über diesen Ausschnitt einfach hinweggelesen, aber für mich springt „Eric soll Drachen steigen lassen.“ wie ein rotes Blinklicht einfach aus dem Text heraus und lässt mich zusammenzucken.

Soo ähnlich ging es mir bei der deutschen Übersetzung von Kurt Cobains Tagebüchern. Dort sind einige Übersetzungsfehler (und Auslassungen/Einfügungen) drin, die mich zum Teil so weit gebracht haben, das Buch von mir zu schmeißen. Gott sei Dank wurden zu den meisten Übersetzungen auch die originalen – handschriftlichen – Texte abgedruckt, so dass man sich daran orientieren kann. Oder man kauft einfach gleich die amerikanische Ausgabe.
Leider hab ich das Buch nicht mehr, aber ein Übersetzungsfehler ist mir noch sehr deutlich im Gedächtnis geblieben, denn Kurt Cobain schreibt über einen bestimmten Musikstil (glaube ich, ich hab die Textstelle nicht mehr im Kopf):

„[XY,] that’s not my cup of tea.

Und der Übersetzer macht daraus tatsächlich eine wörtliche Übersetzung:

„[XY,] das ist nicht meine Tasse Tee.

Ernsthaft?!
Mir ist schon klar, dass Übersetzer sich oft nicht für jedes einzelne Wort Zeit nehmen können, aber so etwas fällt doch auch dem deutschen Leser mit wenig Englischkenntnissen auf. Da taucht plötzlich völlig zusammenhanglos eine Tasse Tee auf. O.o

Und für alle, die über Google hergekommen sind: „that’s not my cup of tea“ = (umgangssprachlich:) „das ist nicht mein Ding“ oder auch „damit kann ich nichts anfangen“.

Okay, ich höre jetzt auf mit meiner Korinthenkackerei, aber das musste einfach mal raus, denn ich weiß in solchen Situationen immer nicht, ob ich lachen oder weinen soll. ;)

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~ von Sasy - November 20, 2010.

7 Antworten to “Do you speak english?”

  1. Ich finde das nicht kleinlich, denn solche formulierungen stechen ja wirklich stark hervor.
    Was mich sehr stört, ist dass viele Menschen jetzt „am Ende des Tages“ sagen, so wie im englischen „at the end of the day“. Muss das sein? Was ist aus dem guten alten „im endeffekt“ bzw. „schlussendlich“ geworden?! Das nervt total. Ich habe nichts gegen englisch, ich mag es sehr, aber man sollte es nicht krampfhaft eindeutschen.

  2. Ohje, ohje… am Ende des Tages. *schüttel*
    Ich hatte letztens sogar jemanden vor mir, der „niemals immer“ sagte – ein eingedeutschtes „never ever“. Von sowas krieg ich Gänsehaut!

  3. @dezi: Du sprichst mir sowas von aus dem Herzen – dieses „am Ende des Tages“ nervt unglaublich. Ebenso schlimm finde ich, dass das Verb „sich erinnern“ plötzlich nicht mehr mit Reflexivpronomen gebraucht wird.

    @Sasy: „Niemals immer“? Oh Schande!

    Manche Übersetzungen englischer Bücher darf man auf Deutsch wirklich nicht lesen, z.B. sind die meisten Stephen King-Bücher regelrecht linguistisch vergewaltigt worden. In der deutschen Übersetzung einer Kurzgeschichte heißt es z.B.: „Er glaubte das alles, er glaubte auch, dass die amerikanische Regierung irgendwo in einem Geheimlabor einen Ausländer auf Eis liegen hatte.“ Muahaha… Alien…

  4. Tihi, ich muss da spontan an das immer mal wieder auftauchende „Ingwer-Bier“ in den Agatha-Christie-Büchern denken, die ich so gern zum Einschlafen lese/höre. Ich weiß nicht, ob man das früher (die Übersetzungen sind ja doch meist ein paar Jährchen älter) hier wirklich so genannt hat oder Ginger Ale quasi gar nicht kannte, aber ich find’s immer wieder putzig :-)

  5. @Sternwicht: Ingwer-Bier… Ginger Ale! *rofl* Das ist mir bisher bei den Agatha-Christie Büchern gar nicht aufgefallen. Ist aber auch schon eine ZEit lang her, dass ich mal eins davon in den Händen hatte…

  6. Da sprichst du was an, was mich auch schon länger nervt.
    Schlechte Übersetzungen von amerikanischen Büchern.
    Ich sage nur: „Komm schon, Baby“
    Das habe ich nun wirklich noch nie jemandem im deutschen Sprachgebrauch sagen hören.

  7. Schon etwas älter dein Artikel, aber ich möchte trotzdem zustimmen, und ich find das gar nicht kleinlich. Deswegen kauf ich mir doch die Übersetzung, damit ich es richtig verstehe, so halb verstehen, daß würd ich auch alleine hinkriegen… Im Fernsehen kann ich es noch etwas entschuldigen, weil daß ja auch immer halbwegs zu den Lippenbewegungen passen muss. Aber auch da störts mich, wenn man so rausgerissen wird von so einer unmöglichen Übersetzung.

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