[Challenge] 5 Bücher = 5 Länder -> China

Mir ist gerade erst aufgefallen, dass ich noch 2 Buchbetrachtungen nachreichen und sogar noch ein Buch bis Silvester lesen muss für diese Challenge! Huch. ;)
Ich fang dann mal an und reiche das erste Buch nach:

Frisch, Max: Die Chinesische Mauer
Erscheinungsjahr: 1968
(Erstveröffentlichung: 1947)
Seiten: 103
Leseempfehlung: ja

Klappentext:
Keiner.

Meine Meinung:
Ich wiederhole mich wahrscheinlich, wenn ich jetzt schreibe, dass man für Max Frisch ein gewisses Alter – oder besser: eine gewisse Reife braucht, aber es stimmt. In der Schule fand ich Frisch (in dem Fall war Frisch = Homo faber, Stiller und Biedermann und die Brandstifter] langweilig und nervig; mir sind die meisten Anspielungen und zarten Andeutungen nicht aufgefallen und selbst über Hinweise, die dem Leser eigentlich mit dem Holzhammer eingehämmert werden, sind spurlos an mir vorbeigegangen.
In der Uni hab ich ihn dann für mich neu entdeckt und seitdem lese ich ihn immer mal wieder gerne. Allerdings nur in Maßen, denn viele Werke von ihm sind so unglaublich kompakt und inhaltsschwer, dass einem selbst ein kurzes Drama wie Die Chinesische Mauer schon mal etwas länger im Magen liegen kann.

Der Spanier: Mein Name ist Don Juan.
Der Heutige: Von Sevilla? Don Juan Tenorio?
Don Juan: Sie irren sich! Sie kennen mich vom Theater – Ich komme aus der Hölle der Literatur. Was hat man mir schon alles angedichtet! Einmal nach einem Gelage, das ist wahr, ging ich über den Friedhof (der Abkürzung wegen) und stolperte über einen Totenkopf. Und musste lachen, Gott weiß warum. Ich bin jung, ich hasse das Tote; das ist alles.

In Die Chinesische Mauer werden dem Leser (bzw. dem Zuschauer) ganz im Sinne von Brechts epischem Theater verschiedene historische und literarische Figuren vorgeführt, die auf einen „Heutigen“ treffen – oder auch aufeinander. Daraus ergeben sich Szenen, die man nicht einfach so beschreiben kann; man muss sie lesen oder besser noch: sehen. Denn obwohl ich kein Theaterfan bin, würde ich dieses Stück gerne auf einer Bühne sehen. Ich bin mir sicher, es ist noch beeindruckender als die geschriebenen Worte.

Der Heutige: Zum ersten Mal (und darum, meine Herrschaften, hilft uns keine historische Routine mehr!) stehen wir vor der Wahl, ob es die Menschheit geben soll oder nicht. Die Sintflut ist herstellbar. Technisch kein Problem. Je mehr wir (dank der Technik) können, was wir wollen, um so nackter stehen wir da, wo Adam und Eva gestanden haben, vor der Frage nämlich: Was wollen wir? […] Eine Gesellschaft, die den Krieg als unvermeidlich erachtet, können wir uns nicht mehr leisten, das ist klar.

Viel mehr kann ich zu diesem Buch auch gar nicht sagen, denn man muss es lesen um überhaupt eine Vorstellung davon zu bekommen… und das würde ich jedem empfehlen.

Fazit:
Die Chinesische Mauer eignet sich eher nicht als Einstieg in Max Frischs Werk oder in Dramen allgemein, aber jeder, der weiß wie man ein geschriebenes Theaterstück lesen sollte, wird sich an diesem erfreuen können. :)

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~ von Sasy - Dezember 16, 2010.

Eine Antwort to “[Challenge] 5 Bücher = 5 Länder -> China”

  1. Von Max Frisch habe ich noch gar nichts gelesen. Und ich bin ehrlich genug, um zu sagen: „Die Chinesische Mauer“ reizt mich nach den Textbeispielen nicht wirklich. Aber Du sagst ja selbst, daß es nicht gerade das Einstiegsbuch ist :)

    Lg und ein schönes 4. Adventswochenende!

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