[Challenge] 5 Bücher = 5 Länder -> Italien

Calvino, Italo: Der Baron auf den Bäumen
Originaltitel: Il barone rampante
Erscheinungsjahr: 1986
(Erstveröffentlichung: 1957)
Seiten: 285
Leseempfehlung: ja

Klappentext:
Ein Baron steigt aus seinem verkrusteten Adelsmilieu aus und in die Bäume hinauf, um den Erdboden niemals mehr zu betreten. Ein mit immer neuen Einfällen und Phantasien angefüllter poetischer Roman, charmant und heiter, übermütig und klug.

Meine Meinung:
Ich mag Italo Calvino seit ein paar Jahren ganz gern, aber mehr als ein Buch pro Jahr schaffe ich selten. Das liegt in erster Linie daran, dass seine Erzählweise sehr dicht und detailreich ist. Der Baron auf den Bäumen ist etwas lockerer und heiterer im Grundton, was mich tatsächlich ein bisschen überrascht hat.
Das Buch beginnt mit der Darstellung der Familie di Rondò, ein Adelsgeschlecht ansässig in Ombrosa im Nordwesten Italiens. Der Baron ist zu diesem Zeitpunkt noch der Herr Papa und so ist der, der sich nach einem unangenehmen Abendessen auf die Bäume flüchtet der kleine Herzog.

„Nein und nochmals nein!“ rief Cosimo und stieß den Teller zurück.
„Fort von diesem Tisch!“
Doch schon hatte Cosimo uns allen den Rücken gekehrt, um den Saal zu verlassen.
„Wohin gehst du?“
Wir sahen ihm durch die Glastür nach, während er in der Vorhalle seinen Dreispitz und seinen Kinderdegen ergriff.
„Das geht euch nichts an.“
Er lief in den Garten.
Bald danach sahen wir durchs Fenster, wie er die Steineiche hinaufkletterte.

Somit ist der kleine Herzog schon auf Seite 17 in den Bäumen – und dort bleibt er tatsächlich auch für den Rest des Romans und seines Lebens. Er wächst heran zu einem Jugendlichen, der erst Wissen und dann die Liebe sucht und findet. Er freundet sich mit der Natur und den Tieren an und sucht sich auch unter der Dorfbevölkerung seinen rechtmäßigen Platz.

Mitunter teilte er den Landleuten mit, ob die Furche, die sie aushackten, gerade oder krumm geriet, ob auf dem Felde des Nachbarn die Tomaten schon reif waren. Oder er erbot sich, kleine Aufträge auszuführen; so bestellte er etwa der Frau eines Schnitter, sie solle ihrem Mann einen Schleifstein bringen.

Calvinos Schreibstil ist zauberhaft, anders kann ich es nicht nennen. Er nimmt mich jedes Mal völlig gefangen und auch dieses Mal bin ich völlig in der Geschichte aufgegangen und hopste mit Cosimo von Ast zu Ast. Es gibt lehrreiche Episoden – wo verrichtet man beispielsweise auf einem Baum seine Notdurft? -, lustige Begebenheiten und natürlich auch spannende Kapitel… und Piraten kommen auch vor. Was will man mehr?
Ich habe mich jedenfalls gut amüsiert und suche mir ein neues Buch von Italo Calvino für 2011. ;)

Fazit:
Ich versuche immer, mir zu überlegen für wen ein Roman von Interesse sein könnte, aber bei Der Baron auf den Bäumen fällt mir das schwer – nicht weil sich das Buch nicht einordnen lässt, sondern weil von allem etwas drin ist: Politik, Naturverbundenheit, Liebe, Humor, Enttäuschung und Spannung. Deshalb bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als das Buch allen ans Herz zu legen. :)

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~ von Sasy - Dezember 30, 2010.

Eine Antwort to “[Challenge] 5 Bücher = 5 Länder -> Italien”

  1. Deine Rezension klingt in der Tat reizvoll. Den Titel werde ich mir mal merken :)

    Lg und schon mal an dieser Stelle ein gutes neues Jahr!
    Natira

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