[Challenge] 5 Bücher = 5 Länder -> Österreich

Mucha, Martin: Papierkrieg
Erscheinungsjahr: 2010
Seiten: 345
Leseempfehlung: nein

Klappentext:
Keiner.

Meine Meinung:
Vorab muss ich wohl erst mal sagen, dass ich mir Papierkrieg definitiv nicht gekauft hätte, aber da es auf meinem eBook-Reader schon mit drauf war… naja…

Vor mir lag ein Zehneuroschein. Nagelneu, geradezu druckfrisch. Noch mit dieser besonderen Steife und der angenehm strukturierten Oberfläche, von der die Finger nicht mehr lassen können. Verschiedene Rosatöne, ein Rundbogen, ein silberner Sicherheitsstreifen mit Hologramm. Seriennummer N16167872334.

So beginnt das erste Kapitel – klingt ja eigentlich ganz gut und die ersten paar Seiten hält dieses Gefühl auch noch an. Aber irgendwann kommt der Punkt, wo ich mich nach Jane Austen und Goethe sehne, nämlich dann, wenn mich die (aufgesetzte) Alltagssprache nervt und das dauerte leider nicht lange.

Die Nasenlöcher der beiden waren rot gewesen wie die Banner der Sowjetunion. Die Geschäftsidee, mit geklauter Elektronik das schnelle Geld zu machen, war definitiv nicht vereinbar mit der Tsunamiwelle an Koks und Bier, auf der die beiden Vögel ritten.

Ein hin und wieder auftauchendes nettes Wortspiel oder etwas ähnliches, lockert jedes Buch auf, besonders Kriminalromane, aber man kann es auch übertreiben und genau das tut Martin Mucha leider. Wahrscheinlich stehe ich mit dieser Ansicht allein auf weiter Flur, aber ich kann mich einfach nicht dagegen wehren. Zuviele „Ey, Alter“ oder „Mach mal hier nicht den Chuck Norris“ und ich schmeiße das Buch weit von mir.
Im Fall von Papierkrieg konnte ich mich aber zusammenreißen – wäre sonst auch teuer geworden ;) -, denn abgesehen davon ist der Roman zumindest in der ersten Hälfte eigentlich ganz interessant und spannend. Wann trifft man schon mal auf einen Philologen, der sich sowohl in der altgriechischen Literatur, wie auch in den Rotlichbezirken Wiens auskennt.

Außerdem hatte ich auch noch den zweistündigen Infight mit einer Handvoll Besessener vor mir, der ‚Lektüreseminar II: Sappho‘ hieß. So sehr ich auch Sappho verehre, mit den neuesten Resultaten der Genderforschung ausgestattete postmarxistisch-neostrukturalistische Studenten und -innen verderben auch noch die kleinste Freude an der schönsten Liebeslyrik.

Humor ist eben doch vorhanden und die Figuren sind fast alle sehr sympathisch und wirken gut ausgearbeitet, aber dennoch hat mich Papierkrieg nicht überzeugt. Das liegt unter anderem auch daran, dass das letzte Drittel des Romans auf mich persönlich sehr konfus und „übers Knie gebrochen“ wirkt. Irgendwann sind nämlich so viele verschiedene Personen an der Geschichte beteiligt – und viele spielen eigentlich nur untergeordnete Rollen – dass ich den Überblick verloren habe. Schade.

Fazit:
Guten Gewissens kann ich dieses Buch nicht empfehlen, deshalb rate ich einfach mal davon ab. Wer sich aber an übermäßiger Alltagssprache und kleineren Plotholes zum Ende des Romans hin nicht stört, ist mit Papierkrieg sicher gut bedient.

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~ von Sasy - Dezember 30, 2010.

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