[Challenge] English 2011 – Richard Castle: Heat Wave

Castle, Richard: Heat Wave
Erscheinungsjahr: 2009
Seiten: 224
Genre: Crime
Leseempfehlung: nein

Klappentext:
A New York real estate tycoon plunges to his death on a Manhattan sidewalk. A trophy wife with a past survives a narrow escape from a brazen attack. Mobsters and moguls with no shortage of reasons to kill trot out their alibis. And then, in the suffocating grip of a record heat wave, comes another shocking murder and a sharp turn in a tense journey into the dirty little secrets of the wealthy. Secrets that prove to be fatal. Secrets that lay hidden in the dark until one NYPD detective shines a light…

Meine Meinung:
Die Idee den Roman eines fiktiven Autors zu veröffentlichen und dabei wirklich alle Register zu ziehen, finde ich immer noch großartig. Wer nicht weiß, dass Richard Castle eine Figur aus der US-Serie Castle ist, der meint tatsächlich einen stinknormalen Krimi vor sich zu haben. Richard Castle wird als Autor genannt (inklusive Foto von Castle-Darsteller Nathan Fillion) und im erweiterten Klappentext wird Bezug genommen auf vorher veröffentlichte – natürlich ebenfalls fiktive – Romane. Abgerundet wird das Ganze mit der Widmung an KB, also Kate Beckett, die zweite Hauptfigur in Castle.

Den Roman an sich finde ich auch ganz spannend und glaubhaft, aber mit dem Schreibstil hatte ich doch arge Probleme. Zwischenzeitlich fühlte ich mich ein bisschen an Stephenie Meyer erinnert und alleine das bewirkt, dass sich meine Nackenhaare aufstellen und ich anfange böse vor mich hin zu knurren.

She had almost left Rook behind when she came upon him standing in the precinct lobby, very occupied. A drop-dead-stunning woman was smoothing the collar of his shirt. […] What was Rook doing, making a perfume ad with every damn woman in the city? Then she stopped herself. Why do I care? she thought. It bothered her that it even bothered her. So she blew it off and walked out, mad at herself for her one look back at them.

Die eingeschobenen wörtlichen Gedanken von Nikki Heat fand ich leider durchgängig unpassend. Das Buch ist zwar aus der Sicht von Nikki geschrieben, aber nicht in der Ich-Perspektive und unter diesen Voraussetzungen habe ich immer Probleme damit, wenn plötzlich ausformulierte Gedankengänge der Figuren auftauchen. Leider ist das auch nicht die einzige Stelle, an der mir das böse aufgestoßen ist. Schon ganz am Anfang des Buches entwickeln Nikkis Gedanken plötzlich ein Eigenleben:

Rook knelt down beside her to look. […] They turned to face each other, and she was a little startled by his proximity but didn’t pull back. Nose-to-nose with him in the heat, she held his gaze and watched the dance of reflected sunlight playing off his eyes. And then she blinked. Oh shit, she thought, what was that? I can’t be attracted to this guy. No way.

An der zitierten Textstelle stört mich aber außerdem die doppelte Benutzung von „bothered“ im vorletzten Satz. Ja, das mag kleinlich sein, aber es gibt so viele schöne englische Worte („irritate“, „annoy“ oder von mir aus auch „hopping mad“) um das auszudrücken, was gemeint ist.
Etwas ähnliches findet sich übrigens auch hier:

Detective Heat decided she had gotten as much as she was going to get out of this line of questions and was happy at least to have a fresh alibi to check.

„has gotten… to get… to have… to check“ – und das alles in einem Satz. Die Satzmelodie ist komplett zerrissen und es liest sich holprig. Für einen ersten Entwurf oder eine Art nähere Personenbeschreibung (nicht literarischer Art) mag das völlig okay sein, aber im Roman wirkt ein solcher Satz auf mich immer wie ein Nachrichtensprecher, der sich bemüht eine Ansammlung von Wörtern zusammenzustellen, die möglichst hochgestochen und lang, aber dennoch inhaltsleer ist.

Zwischendurch erinnerte mich der Roman aber auch an ein Drehbuch:

„This is big. Got back the VIN result off that Volvo from the impound.“ He looked down and read from his notes, which is what Ochoa did when he had news and wanted to get it right.

No shit, Sherlock. Kurzzeitig hatte ich wirklich das Gefühl „Twilight“ zu lesen… Ochoa schaut auf seine Notizen, denn das tat er, wenn er Neuigkeiten hatte und sie richtig wiedergeben wollte. Diese „Erklärung“ wirkt so deplatziert, dass ich beim Lesen so plötzlich angehalten habe, als hätte mir jemand das Buch weggezogen.
Ähnlich ging es mir auch hier:

Back in the bull pen, the detectives and Rook sat with their backs to their desks, tossing a Koosh Ball around the horn at a lazy pace. This is what they did when they were stuck.

Der zweite Satz ist vollkommen unnötig, denn das Herumwerfen mit Bällen mitten in den Ermittlungen eines Mordfalls impliziert eine gewisse Ereignislosigkeit. So ganz doof ist man als Leser ja nun mal nicht. Ich zumindest hätte mich nicht gewundert, wenn im nächsten Satz plötzlich Regieanweisungen aufgetaucht wären.

Ein weiterer Punkt, der mich an ein Drehbuch erinnerte, war die häufige Nennung von Namen im Allgemeinen und von dem vollständigen Namen ‚Nikki Heat‘ im Besonderen. Selbst an den unpassendsten – und unnötigsten – Stellen, wie der Liebesszene zwischen Nikki und Rook wird ihr Vor- und Zuname genannt. Das ruiniert ein wenig die Stimmung, aber davon abgesehen hat mir die Liebesszene wirklich gut gefallen. Sie ist nicht schmuddelig, aber auch nicht übertrieben prüde. Gut getroffen. :)

Aber bevor ich in Lobhudelei ausbreche, erst noch etwas zu den Dingen, die mir nicht gefallen haben.

[Nikki:] „So otherwise no contact at all then?“
„No. When it was over, it was over. But it was very cordial.“ She [Morgan Donnelly] looked down at her espresso and then up at Nikki and said, „Bullshit, it was painful as hell. But we were both grown-ups. We both went our ways. Life goes… well…“ She left that unfinished.

Vielleicht ist es tatsächlich mein ganz eigenes Problem, aber eine solche Szene funktioniert geschrieben einfach nicht. Im Film, bzw. in einer Serie wäre es kein Problem, denn dort lässt sich der Wandel von „getrennt in Freundschaft“ zu „höllisch schmerzvoll“ durch Körpersprache und Mimik darstellen, aber im Roman ist sowas ohne jede Beschreibung schwierig. Auch der nicht beendete Satz wirkt hier unpassend – hätte wiederum aber auf der Leinwand einwandfrei gepasst.

Und wo ich gerade bei unpassend bin, kann ich auch noch zwei Szenen zitieren, die für mich völlig zusammenhanglos in diesem Buch stehen, die ich aber gerne in einer Castle-Folge gesehen hätte:

„So this isn’t about hard times in a bad economy?“ asked Heat, pointing over his shoulder at what looked to her like an escalator to the basement painted red.
[Noah Paxton:] „No. And thank you for not touching my monitor. I never understood why people have to touch computer screens when they point.“
„I know. The same people who need to mime telephones with their fingers when they say call me.“
When they laughed,  she got a whiff of something citrus-y and clean off him. L’Occitane, she guessed.

Ganz am Rande könnte man zumindest die letzten beiden Sätze als Andeutung dafür verstehen, dass Nikki sich zu Noah Paxton hingezogen fühlt, aber diese Bildschirm-Antatsch-Unterhaltung vorher hat keine weitere Bedeutung für die Handlung und trägt meiner Meinung nach auch nicht zum Stimmungsaufbau bei.

[Rook hat zwei Dutzend Cupcakes zum Revier gebracht.]
„Hey man, it’s the thought that counts,“ said Raley. […] The assortment of buttercream icings, whipped creams, and ganache hat melted and run together into what would charitably be described as cupcake roadkill.
„No, it’s not,“ from Ochoa. „Man promised cupcakes, I don’t want thought, I want a cupcake.“

Die Szene an sich ist ja süß und ich kann mir Espositos (= Ochoas) Empörung und Castles (=Rooks) traurigen Gesichtsausdruck genau vorstellen, aber in Heat Wave wirkt sie fehl am Platze.
Damit komme ich dann auch endlich zu dem, was mir an dem Roman gefallen hat: er ist sehr castle-ig. ;) Die meiste Zeit über habe ich Nathan Fillion als Castle/Rook und Stana Katic als Beckett/Nikki vor mir gesehen und in mich hineingekichert, wenn einer ihrer typischen Dialoge stattfand.

They [Rook & Nikki] rode in silence for a while. As the cab cut across Houston street, he said, „I’m trying to figure out… did I bite my own tongue when you kicked me in the face, or did you do it?“ That earned a fast check from the driver in the rearview mirror.
Heat said, „I want to lean on Forensics to cough up that report in Pochenko’s blue jeans.“
„I can’t recall getting bitten either time,“ said Rook.
„Blackout probably set the lab behind schedule, but it’s been long enough.“
„Things were happening fast and, dare I say, furious.“
„I’m betting those fibers match,“ she said.
„But still, you’d think I’d remember a bite.“
„Surveillance video be damned, somehow he got in there, I’d bet on it. I know he likes fire escapes.“
„Am I talking too much?“ Rook asked.
„Yes.“

Abgesehen von dem 3x benutzten „said“ ist die Szene goldig und ich musste sie mehrfach lesen, weil ich mich nicht losreißen konnte. Einerseits sitzt dort die vollkommen auf ihre Arbeit fokussierte Nikki, die sich Gedanken über den Mordfall macht und neben ihr hockt Castle, pardon, Rook, der seine Zunge untersucht. Sehr amüsant.
Ein weiterer Schlagabtausch findet auch ganz am Anfang schon statt:

[Rook:] „Oh, are you talking tough with me now that you have other irons in the fire?“
[Nikki:] „I’m talking tough because you are an ass. And I don’t get what you mean by other irons.“
„I mean Noah Paxton. I didn’t know whether to throw a bucket of water on you or fake a phone call to leave you two alone.“

Getoppt wurde das Ganze dann nur noch kurz vor Ende von meiner Lieblingstextstelle (so ich denn eine wählen müsste):

„You sleep with me, then you make fun of my theories and steal all my friends.“ Rook leaned back and crossed his arms. „Just for that, you’re not meeting Bono.“

Ich kann Nathan Fillion praktisch hören, wie er diese beiden Sätze sagt – und das hat mir tatsächlich an Heat Wave am besten gefallen, die Nähe zu Castle. Ich gebe aber ganz offen zu, dass ich es lieber gesehen hätte, wenn es ein „normaler“ Roman zur Serie gewesen wäre, d.h. mit Beckett und Castle in den Hauptrollen (und Esposito, Ryan, Lanie, Alexis und Martha in den Nebenrollen).

Fazit:
Ich bin unentschlossen. So unentschlossen, wie ich es selten war, denn ich weiß nicht, ob das Buch eher etwas für jemanden ist, der Castle nicht kennt oder eher für einen Fan der Serie. Letzterer würde sicherlich über die stilistischen Schwächen hinwegsehen und ersterer würde die unpassenden Dinge vielleicht gar nicht bemerken. Aber was, wenn doch? Hm? Deshalb muss ich mich schweren Herzens dazu überwinden und es gar nicht empfehlen.
Ich wüsste auch tatsächlich nicht, wie ich es bewerten sollte und würde mich da wohl an Sarah halten und dem Buch 3,8 von 5 Punkten geben.

3/5 war mir zu wenig, 4/5 zu viel, 3,5/5 auch zu wenig… Schwierig. Wirklich. Schwierig! (Link)


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~ von Sasy - Januar 16, 2011.

5 Antworten to “[Challenge] English 2011 – Richard Castle: Heat Wave”

  1. Es beruhigt mich irgendwie, dass du genauso unentschlossen bist wie ich. Ein komisches Buch, oder? *gg*

    Denn ich muss zwar gestehen, dass ich mich an den stilistischen Sachen jetzt nicht so aufgehalten habe (ist eines meiner „schnell zu verdauenden“ Bücher, da achte ich auf sowas nur, wenn ich es ganz schrecklich finde) und mich wörtliche Gedanken in Verbindung mit in der dritten Person geschriebener personaler Erzählung nicht stören (was auch daran liegen könnte, dass ich das teilweise selber mache *hüstelt*), ich „said“/“sagte“ den meisten anderen Alternativen vorziehe (wobei ich dir hier wirklich recht gebe, das sind schon arg viele Saids…) und ich mir persönlich schließlich eher weniger Nähe zu Castle und dafür besser definierte Charaktere gewünscht hätte, bin ich total deiner Meinung. *lol*
    Denn auch wenn ich die Details teilweise anders wahrnehme, sehe ich das Große und Ganze genauso. Absolut. Dieser Eintrag erinnert mich haargenau an meine Reaktion und meine Verwirrung nach dem Buch.
    Ein komisches… komisches Buch. So richtig ausgegore ist es nicht und liest sich teilweise wirklich eher wie ein Entwurf.

    Oh, und deine Begeisterungen kann ich absolut nachvollziehen. Wenn das Buch gute Stellen hat, dann sind das auch wirklich gute, finde ich. Und… awwww… ganz ehrlich? Ich fand die Sex-Szene goldig. Und war sehr positiv überrascht, weil ich mich mit denen in Büchern oft sehr schwer tue (wohingegen ich in FFs ja alles lese… *lol*)

    Mir scheint, das Buch ist (wie gesagt) irgendwie unausgegoren und die eigentlichen Buch-Charaktere mussten zurückstehen, damit die Fans der Serie die ihnen vertrauten Charaktere wiederfinden. Ich fand das aber nicht sonderlich überzeugend, denn auf diese Weise hab ich mich mit einem kruden Charaktermischmasch konfrontiert gesehen. Ich hätte dann entweder wie du auch eher ein Castle-Buch lesen wollen oder ein Heat-Buch mit vollentwickelten, eigenständigen Charakteren. Nicht… irgendwas dazwischen.

    Trotzdem… werde ich Naked Heat wohl oder übel lesen (wenn’s als Taschenbuch rauskommt *g*). Weil ich schwach bin. ;)

    Hast du eigentlich das Taschenbuch oder die gebundene Ausgabe? Ich hab nämlich keinen Nathan Fillion auf meinem Buch. Und auch keinen erweiterten Klappentext. :(

    • Freut mich ja durchaus, dass wir uns zumindest in manchen Dingen einig sind. :) Ich wollte das Buch ja wirklich ganz doll mögen, aber dafür hat es eben nicht komplett gereicht.

      Und mit dem „kruden Charaktermischmasch“ hast du den Nagel auf den Kopf getroffen. Die Figuren sind einerseitz zu castle-ig um etwas eigenständiges und nicht castle-ig genug um eben Castle, Beckett und Co. zu sein. Entweder oder, aber offensichtlich konnte sich der Autor nicht entscheiden.

      Aber [i]Naked Heat[/i] werde ich antürlich auch lesen. Ist ja so ein bisschen Ehrensache. ;)

      Ich hab übrigens weder Taschenbuch, noch gebundene Ausgabe, sondern das eBook. Für das NF-Bild und den erweiterten Klappentext habe ich mich allerdings hier dran orientiert:
      http://www.amazon.com/Heat-Wave-Richard-Castle/dp/1401310400/
      Da kann man sich quasi den kompletten Umschlag angucken – und NF ansabbern. *gg*

  2. Die Idee find ich witzig, ich mag die Serie echt gerne. Bloß irgendwie habe ich solchen Geschichten Vorurteile gegenüber – genau wie Büchern „zum Film“. Aaaaber in diesem Fall würde ich mal eine Ausnahme machen und dem Buch eine Chance geben, wenn es das denn auf Deutsch gäbe… ich fürchte, das wird mir sonst zu mühsam *seufz*.

    • Man kann [i]Heat Wave[/i] auch gut lesen ohne die Serie die ganze Zeit im Hinterkopf zu haben, aber dazu mag ich [i]Castle[/i] und besonders Nathan Fillion zu sehr. Ich hatte wirklich fast permanent seine Stimme im Kopf, die mir das Buch quasi vorgelesen hat.
      [Und nebenbei bemerkt, war arg enttäuscht, als ich feststellen musste, dass es zwar ein Audiobook von [i]Heat Wave[/i] gibt, es aber nicht von NF gelesen wird. Mäh.]

      Auf Deutsch ist [i]Heat Wave[/i] bisher ja leider nicht erschienen und soweit ich weiß, ist auch keine Übersetzung geplant… eigentlich doof, denn die Serie ist hier in D ja relativ erfolgreich…

  3. Inzwischen ist eine deutsche Übersetzung geplant.

    Siehe hier: http://www.sf-radio.net/webbeat/literatur/meldung,crosscultschnapptsichbestellerautorrichardcastle,1,15902,00.php

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