Obstdiskriminierung – ein Skandal!

Manche Dinge fallen einem ja erst mit der Zeit auf. Monatelang rüttelt und zieht man verzweifelt an der Tür des Sportstudios und schreibt dann von daheim wütende Mails an den Inhaber. Man ist erbost, dass dessen Mitarbeiter sich offensichtlich nicht an den am Gebäude angeschlagenen Öffnungszeiten stören und einfach mal um sechzehn Uhr schon Feierabend machen. Bis man eines Tagen beim Warten an der Bushaltestelle gegenüber vom Studio den quadratmetergroßen Sticker mit der Aufschrift DRÜCKEN entdeckt. So kann’s gehen.

Und so geht es mir gerade auch mit meinen Biobeuteln. Diese braunen Papiertütchen, die mich immer ein bisschen an Happy Meals von McDonald’s erinnern, kaufe ich nun schon seit Wochen und erst jetzt ist mir aufgefallen, dass darauf ja sogar eine Bedienungsanleitung abgedruckt ist.

Kompost-Abfall: Obst- und Gemüseabfälle, Tee- und Kaffeesatz mit Filterpapier, Speisereste, Eierschalen, kleine Knochen, Garten- und Pflanzenabfälle (kein Unkraut)

Beimischung: Bananenschalen, Zellstoff-Servietten, Holzasche – völlig abgekühlt

Ungeeignet: Katzenstreu, Vogelsand, Windeln, Folien, Textilien, Haare

Knochen, pardon, kleine Knochen dürfen also in den Biomüll. Das ist ja günstig. Wenn ich mir demnächst mal aus Versehen eine Fingerkuppe abhacke, muss ich also den Knochen nicht aus dem Fleisch prokeln, sondern kann die Ringfingerspitze sozusagen komplett kompostieren. (Ich nehme jetzt einfach mal den Ringfinger als Beispiel, denn der hat die Angewohnheit sich hinterhältig unter das Obstmesser zu schieben. Vielleicht hat er suizidale Tendenzen – oder er versteht sich einfach mit dem benachbarten Mittelfinger nicht.) Oder darf gar kein Fleisch in die Biotonne? Vielleicht nur zubereitetes? Naja, wenn ich eh in der Küche bin, könnte ich zur Not die Fingerkuppe ja auch eben noch in die Pfanne hauen. Braucht ja nicht lang, so ein kleines Zipfelchen.

Was ich aber wirklich empörend finde, ist die Diskriminierung der Bananenschalen. Was haben Bananen, bzw. deren Schalen denn getan, dass man sie so unmenschlich von den restlichen Obstabfällen abgrenzt? Sind Orangenschalen etwas besseres? Rein vom Haptischen her kann das ja schon mal nicht sein. Beide Schalen sind innen weißlich-weich-glibschig und außen eher fest und schön farbig gestaltet.
Gut, wenn ich die Wahl hätte zwischen Orangen- und Bananenschalen, würde ich auch zu den Orangenschalen tendieren, aber eben nur, weil sie mit der Zeit austrocknen und nicht noch glibschiger werden. Bananenschalen tendieren ja dazu einen dunkel und übelriechenden Zustand anzunehmen, wenn man sie beispielsweise über Nacht mal auf dem Couchtisch vergisst. Aber vielleicht ist das der Grund, warum man sie nicht haufenweise in die Biotonne pfeffern darf. Vielleicht besteht die Gefahr, dass sich aus dieser vor sich hin blubbernden und pupsenden Masse eines Tages eine neue Lebensform entwickelt und die Weltherrschaft an sich reißt.
Ja, ich glaube, das ist es.
Ein weiteres Rätsel der Menschheit ist gelöst.

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~ von Sasy - April 17, 2011.

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