Arbeitsteilung

Bisher habe ich immer versucht diesen Blog möglichst „behördenfrei“ zu halten, aber nun ist damit Schluss. Es wurde mit der Zeit immer ruhiger hier, weil ich mich selbst viel zu sehr zensiert habe. Es gibt einige Einträge, die nie das Licht der Welt des Internets gesehen haben, weil ich mir immer vorgehalten habe, dass andere Leute ja auch mal einen schlechten Tag haben. Aber jetzt ist Ende.
Ich hab ja schon angekündigt, dass ich über eine anstehende Maßnahme bloggen werde, aber bis es soweit ist, werde ich jetzt auch hin und wieder einfach mal über Dinge berichten, die man als Arbeitslose(r) erlebt. Ich habe nämlich keinen Bock mehr, mich für irgendetwas zu schämen. Ja, ich bin arbeitslos, aber damit trotzdem nicht unmündig.

Gestern war ja eine Einladung zu einer Eignungsprüfung in meinem Briefkasten und, aufmerksam und vorausschauend wie ich bin, war ich heute dann schnell mal beim Jobcenter um die Erstattung der Fahrtkosten abzuklären. Da ich nicht ungefragt bei meinem (aktuellen) Sachbearbeiter*, nennen wir ihn ‚Herrn F.‘, ins Büro stürmen wollte, führte mein Weg natürlich zur Anmeldung. Meine Anfrage nach einem kurzen Gespräch mit Herrn F. wurde höflich aufgenommen – das muss ich der Dame von der Anmeldung ja lassen, immer höflich und bereit Fragen zu beantworten oder zumindest weiterzuleiten – und wurde flugs per Telefon weitergereicht. Herr F. wollte mich aber heute offensichtlich einfach nicht sehen, denn sofort verwies er auf einen Meldetermin, den ich nächste Woche hätte.
Ähm… da weiß ich zwar bisher nichts von, aber okay. Die Teilnahmebestätigung für die Eignungsprüfung muss aber spätestens am Montag schon wieder in die Post. Ich wollte ja auch nur ein Kopfnicken, dass ich die Fahrtkosten von immerhin knapp 100€ erstattet kriege. Es entwickelte sich dann ein lustiges Dreiergespräch in dem Herr F. Fragen stellte, die Anmeldedame diese für wiederholte, ich antwortete und die Anmeldedame… man kann es sich vorstellen, oder?

Herr F.: …
Anmeldedame: Worum geht es denn genau?
Ich: *wedel mit brief* Termin zur Eignungsprüfung. Ich möchte gerne im Voraus wissen, ob ich die Fahrtkosten erstattet kriege?
Anmeldedame: *wiederhol*
Herr F.: …
Anmeldedame: Ist das ein Vorstellungsgespräch bei einem Arbeitgeber?
Ich: O.o Nein, eine Eignungsprüfung. Ein Vorstellungsgespräch findet da meines Wissens nach nicht statt.
Anmeldedame: Aber bei einem Arbeitgeber?
Ich: Ja, sicher.
Anmeldedame: Und Sie haben sich da beworben?
Ich: Nein, die schreiben wahllos fremde Menschen an. Ja.
Anmeldedame: *wiederhol*
Herr F.: …

So ging es munter weiter bis wir geklärt hatten, dass der Arbeitgeber die Fahrtkosten nicht übernimmt und das auch ausdrücklich auf der Einladung vermerkt ist, dass ich die Rückmeldung auch wirklich am Montag schon wieder wegschicken muss, dass ich den ÖPNV benutzen werde, etc.pp.
Was bei einem Gespräch Angesicht zu Angesicht eine Sache von 3 Minuten gewesen wäre, dauerte durch dieses feine Hin und Her gefühlte 4 Stunden.

Aber immerhin bekam ich irgendwann mein langersehntes Kopfnicken, wenn auch nur von der Anmeldedame und nicht von meinem Sachbearbeiter selbst, aber immerhin war sie so nett mir sogar den Antrag auf Erstattung der Fahrtkosten noch ausführlich zu erklären. Das habe ich bisher selten erlebt. Ich bekam dann noch den Hinweis, das günstigste Ticket zu kaufen. Obwohl ich schon fast aus der Tür war, musste ich daraufhin noch mal zurück und nachfragen, was mit „günstigstes Ticket“ genau gemeint ist.
Das bescherte mir erst mal einen fragenden Blick. Ich wollte schon zu einer Erklärung der Preispolitik der Deutschen Bahn ansetzen, aber ich habe mich dann darauf beschränkt, die Anmeldedame darauf hinzuweisen, dass ich nur das günstigste, zeitlich passende Hin- und Rückfahrticket ohne Zugbindung nehmen kann, da ich nicht weiß, wann die Eignungsprüfung zu Ende sein wird. Ja, das wäre in Ordnung.

Naja, jetzt bin ich mal gespannt, ob ich die Fahrtkosten tatsächlich erstattet bekomme. Drückt mir jemand die Daumen?

 

(* Bei mir sind das alles Sachbearbeiter. Diese neudeutschen Bezeichnungen „Fallmanager“, „Arbeitsvermittler“ und wie sie alle heißen, sind mir einfach zu doof.)

~ von Sasy - September 15, 2011.

5 Antworten to “Arbeitsteilung”

  1. Natürlich hast du meine Daumen!
    Und falls es dir und deinen Nerven ein bisschen hilft, kann ich dir sagen, dass bisher alle Fahrtkosten einer ebenfalls arbeitslosen Freundin zu allen möglichen und unmöglichen Vorstellungsgesprächen und Eignungstests übernommen wurden. Auch die „spontanen“ ohne Zugbindung und vor allem auch die in Zügen des Fernverkehrs.
    *drückt Daumen und Großzehen* Auch für die Prüfung!

    Und so drück ich dich auch mal.
    Der geschilderte Vorfall ist schon seeeeeeehr skuril! Aber gut, dass du dich nicht mehr abweisen lässt und hartnäckig bleibst!

  2. Ich drücke auch. Und ich les sowas sehr gern, ich fand´s beim Arbeitsamt nämlich auch schrecklich, idiotisch und kafkaesk.
    Ich hab dann auf Geld verzichtet, weil mir die Erniedrigung von meiner unfähigen Fallmanagerin – ph, viel zu hochtrabender Titel für die – zu viel war. :/

  3. Richtig öde fand ich immer, dass sie einem montags um 7.00h antanzen liessen. Die Sachbearbeiterin kam aber erst so gegen halb neun und man sass diese 1 1/2h blöd auf dem Flur rum und hat gewartet. Wenn man nicht Punkt 7h da gewesen wäre, dann hätten sie sicher die Leistungen gekürzt.

  4. Da fällt mir ja ein Stein vom Herzen. Ich hab schon gedacht, ich würde euch mit solchem Behördenkram zu Tode langweilen. ;)

    Kleinere Geldbeträge würde ich sogar selber bezahlen, aber 100€ Fahrtkosten kann ich einfach nicht mehr alleine finanzieren, deshalb muss ich eben mal durch das Antragsgewusel durch.
    Bewerbungskosten mache ich in den nächsten Tagen auch zum ersten Mal geltend. Da bin ich auch gespannt, ob ich zumindest das erstattet bekomme, für das ich auch Quittungen habe. Die Hoffnung stirbt zuletzt. ;)

    @Sylvia: 1 1/2h Stunden warten? Das würde ich mir nicht bieten lassen. Die Sachbearbeiter hier sind da GsD anders. Wenn ich einen Termin um 9 Uhr habe, dann komme ich tatsächlich auch um 9 dran. Länger als eine 3/4h würde ich nie warten, egal ob beim Amt oder Arzt oder sonstwo.

  5. Zum Glück ist das alles lange her und es betrübt mich, dass mit dem ganzen Systemwechsel immer noch nichts geändert hat.
    Ich drücke dir die Daumen, dass sich bei dir bald was tut.
    Was ich auch immer seltsam fand:
    – Ständig kam jemand mit einer Kaffeetasse in der Hand vorbei, hat eine der Türen aufgeschlossen (immer verschiedene), war da ein paar Minuten drin und kam dann wieder mit der Kaffeetasse raus und hat die Tür wieder abgesperrt.
    – Der ganze Flur sitzt voll mit „Kunden“. Alle halbe Stunde wird jemand zum Vermittler reingerufen, um nach 5 Minuten wieder rauszukommen. Was macht der Vermittler in den restichen 25 MInuten? Mir hat er nur immer erzählt, dass er momentan nichts für mich hat. Ich habe eben von der Qualifikation her in keine ihrer Schubladen gepasst.Und dann war da noch das Schild hinter seinem Schreibtisch „Ich bin auf der Arbeit, nicht auf der Flucht“

    Übrigens habe ich vom Arbeitsamt keine vernünftigen Stellenangebote bekommen, meine spätere Stelle habe ich bekommen, weil eine meiner Bewerbungen intern weitergegeben wurde.

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