Warteliste

Heute war der schon angekündigte Termin bei dem Maßnahmemenschen. Positiv überrascht hat mich am Anfang, dass mein Papa als Beistand problemlos beim Gespräch mit dabei sein durfte. Ich hatte mit Gegenwehr gerechnet. Das war es dann allerdings auch schon mit dem angenehmen Geplänkel. Der Herr von der Maßnahme, nennen wir ihn ‚Herrn P.‘, legte mir natürlich gleich mal die Einwilligung zur Datenweitergabe vor und begann mir zu erklären, dass er mich nicht vermitteln könnte, wenn ich ihm das nicht unterschreiben würde. Herr P. ist leider jemand, der viel redet, dabei aber leider wenig Inhalt vermittelt. Manchmal habe ich den Verdacht, dass solche Menschen darauf trainiert werden einen in Grund und Boden zu labern, so dass man seine eigenen Fragen gar nicht stellen kann.

Irgendwann bin ich aber dann doch mal dazwischengekommen und habe zu dem Datengewusel endlich herausgefunden, was ich wissen wollte. Meinen Lebenslauf will Herr P. weitergeben, aber natürlich nur nach vorheriger Absprache mit mir. Und auch nur, wenn tatsächlich eine geeignete (!) Stelle dadurch zu bekommen ist. Selbstverständlich würde ich die Information darüber bekommen, wem meine Daten gegeben werden. Und überhaupt würde es bei mir ja sowieso nicht vorkommen, dass er so schnell handeln muss und selbst meinen Lebenslauf rausschicken muss. Meinen fragenden Blick hat er dann tatsächlich mal beantwortet, ohne dass ich wirklich nachfragen musste: Die Wahrscheinlichkeit wäre ja eh gering, dass ich über die Maßnahme vermittelt werde. Wenn ich einen Job kriege in der Zeit, dann über meine eigenen Bewerbungen.

O.O

What the…?

Ernsthaft? Da stellt sich jemand hin und sagt: „Ja, wir können sie ja eh nicht in Arbeit bringen, aber kommen Sie einfach mal 8 Wochen hier hin und machen hier genau dasselbe, wie zu Hause – Bewerbungen schreiben.“ Bin ich im falschen Film?

Als es dann um die Bestätigung vom (fiktiven) Arbeitgeber ging, musste ich Herrn P. leider darüber aufklären, dass ich ihm das auch heute nicht unterschreiben kann, da mein Sachbearbeiter ganz klar gesagt hat, das wäre nicht notwendig. Das passte Herrn P. nicht und er erklärte mir, dass er schließlich vom Jobcenter Geld bekommt, wenn ich aus der Maßnahme hinaus (egal durch wessen Initiative!) in Arbeit gehe. Er bekäme nach 4 Wochen Geld und dann nach 6 Monaten würde er diese Bestätigung vom Arbeitgeber holen, denn dann bekäme er den gleichen Betrag ein weiteres Mal.
Schön für ihn. Schlecht für den Steuerzahler, der so etwas finanzieren muss. Ich hab ihn jedenfalls an meinen SB verwiesen. Soll er sich bitte mit dem direkt auseinandersetzen.

Zwei Dinge lagen mir dann ja noch auf der Seele, zum einen die Dauer der Maßnahme und zum anderen deren Inhalt. Bei meinem ersten Gespräch mit Herrn P. bin ich ja leider nicht weit gekommen. Er wollte mir dazu nichts sagen. Zumindest den ersten Punkt konnte ich heute aber immerhin einigermaßen klären. Bisher hieß es – von meinen SBn und auch von Herrn P. -, dass die Maßnahme 8 Wochen dauert. In meiner Eingliederungsvereinbarung ist die ominöse Dauer „3-8 Wochen“ angegeben. Da Herr P. aber immer wieder von einer „Gruppenphase“ und einem „Einzelcoaching“ sprach, habe ich heute nachgehakt und siehe da, die Gruppenphase allein dauert schon 8 Wochen. Das Einzelcoaching (1 Stunde pro Woche Bewerbungen „kontrollieren“) wäre erst mal zeitlich unbegrenzt… „bis ein Platz in der Gruppe für Sie frei ist“.
Ähm, nö.

Zu dem Zeitpunkt musste Herr P. sich bereits sichtbar beherrschen und auch ich war so wütend, dass ich meine Knie festhalten musste. Die fangen nämlich immer an zu schlackern, wenn ich meine Wut nicht anders rauslassen kann/will.

Schließlich rang er sich dann einen „Kompromiss“ ab – und ich benutze dieses Wort hier völlig falsch -: man könne das Einzelcoaching auch weglassen und ich würde dann eben einfach ohne in die Gruppenphase gehen. Damit waren wir dann beim nächsten Punkt. Was wird denn eigentlich in dieser wundervollen Gruppenphase gemacht? Diese Frage hatte ich ihm bei unserem Erstgespräch schon mal gestellt, bekam da aber keine vernünftige Antwort. Die heutige Antwort: „Naja, dies und das.“
Okay, da musste ich mir das Lachen dann verkneifen. „Dies und das“!? Geballte Kompetenz, ich sag’s ja. Auch auf wiederholte Nachfrage, gab Herr P. keine konkretere Antwort. Was gemacht wird, würde von der Gruppe abhängen. Was die Gruppe braucht, wird gemacht. Okay… meine Nachfrage, ob er denn dann die Gruppen nach Vorbildung, Qualifikation oder ähnlichem zusammenstellt, wurde verneint. Wer auf der Warteliste steht, kommt dran. Wie man auf den Bedarf einer solchen heterogenen Gruppe unter einen Hut bringt, hat er natürlich auch nicht beantwortet.

Jetzt mal ehrlich: Wenn für eine solche Maßnahme ein Rahmenplan, eine Themenübersicht, ein Stundenplan, irgendwas halt, vorhanden wäre, könnte ich damit leben und könnte auch verstehen, dass wahllos Menschen zusammengesteckt werden. Denn das würde bedeuten, dass jeder alle Themen kennenlernt und mit dem gleichen Kenntnisstand aus der Maßnahme wieder hinausgeht. Wenn es keinerlei Plan gibt, sondern alles von den „Bedürfnissen der Gruppe“ abhängig gemacht wird, dann muss zwangsläufig im Voraus eine Gruppe zusammengestellt werden, die die gleichen Bedürfnisse hat.

Nö, das ließ er so nicht gelten und wollte auch darüber eigentlich nicht weiter sprechen. Ich hab ihn gefragt, was denn ist, wenn ich in einer Gruppe lande, bei der einige erst mal ein grundlegendes Bewerbungstraining brauchen. Seine Antwort: Dann müsste ich das eben auch mitmachen.
Super abgestimmt auf meine Bedürfnisse. Ich bin ja dann nun mal auch Teil der Gruppe und mein Bedürfnis dürfte in einem solchen Fall zwischen der Sehnsucht nach meinem heimischen Bett oder zumindest sinnvoller Beschäftigung liegen. Vielleicht sollte ich schon mal anfangen ein paar Bücher zu kaufen, die ich während der Zeit lesen kann.

Fazit des heutigen Gesprächs: Zwei Unterschriften wollte Herr P. von mir haben, eine hat er bekommen. (Tatsächlich wollte er sogar drei Unterschriften, aber das Informationsblatt unterschreibe ich ihm ganz bestimmt nicht.) Ich muss mir wieder einen Termin bei meinem SB holen um ihm meine Bedenken bezüglich dieser Sinnlosmaßnahme vorzutragen und warte nebenbei immer noch auf die Einladung zur „Gruppenphase“. Im Moment stehe ich erst mal auf der Warteliste und ich hoffe, dass ich da noch 4 Wochen stehe, dann ist nämlich die Maßnahme laut meiner EGV bereits zu Ende und ich muss neu zugewiesen werden.

~ von Sasy - September 26, 2011.

2 Antworten to “Warteliste”

  1. Ich find’s einfach nur unglaublich ärgerlich, dass solche Firmen Geld mit der Arbeitslosigkeit anderer Menschen verdienen. Und das alles auf Staatskosten, Himmel hilf!

    Es ist ja fast schon zum Lachen, dass er sich dazu hat hinreißen lassen, zuzugeben, dass dir die Maßnahme eh nichts nützen wird.

  2. Das ist alles so traurig. Erinnert mich sehr an meine „Maßnahme“. Bewunder deine Nerven. Find ich ja total toll, daß dein Vater dich unterstützt.

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