35 auf die 17

Als ich letztens zur einem Einstellungstest an der Fachhochschule Dortmund war, ist mir wieder mal aufgefallen, wie sehr mich Professoren und Dozenten an Baumarktmitarbeiter erinnern.

1. Wenn man eine Frage hat, sind sie nicht zu finden, weder im Büro, noch am Kaffeeautomaten, noch in der Vorlesung (die dann meist zum fraglichen Zeitpunkt vom Assistenten gehalten wird). Keine Spur vom Prof. Die Sekretärin weiß nicht, wo er ist, der Assistent hat vor lauter Stress keine Zeit sich zu erkundigen und die Kommilitonen sind alle ebenfalls auf der Suche nach ihren verschiedenen Profs.

2. Wenn man ihnen nicht begegnen will, laufen sie einem ständig über den Weg. Kaum lästert man ein bisschen im Treppenhaus über die schlechte Laune des neuen Spra’wiss-Dozenten ab, schleicht er sich von hinten an und grunzt böse im Vorbeigehen. Oder man will sich noch schnell nach einem geschwänzten 8-Uhr-Seminar einen Tee aus der Cafeteria holen und trifft an der Kasse natürlich auf den verschmähten Prof.

3. Es sind Fachidioten Meister ihres Fachs. Sobald man in einer Vorlesung zur frühneuzeitlichen Geschichte etwas sagt, dass auch nur im Entferntesten auf die Antike hindeutet, sieht man glänzende Augen, offene Münder und ein leichtes Kopfschütteln mit dem Hinweis „Das ist nicht meine Abteilung mein Fachgebiet.“ Sollte man dann auch noch auf die doofe Idee kommen, eine Frage zu stellen, wird man schnell und mit einer unbestimmten Handbewegung an einen Kollegen verwiesen. Wie der Kollege heißt und wo man ihn finden kann, bleibt offen, denn den Fragen danach hat der Prof sich bereits durch geschicktes Unsichtbarmachen entzogen (siehe Punkt 1).

4. Sie geben einem das, was gerade da ist – ob man will oder nicht. Manchmal steht im Studium die eine oder andere Prüfung an, für die sich der Prüfling das Thema selbst ausdenken darf. Nachdem man den Prof durch Abwarten im Schatten der Flurpalme morgens um halb 6 erfolgreich in seinem Büro gestellt hat (man beachte Punkt 1), bereitet man ihn behutsam auf eine anstehende Prüfung vor und gibt ihm ein paar Themen zur Auswahl an die Hand. Wenn man sich dann nicht durch den Hinweis auf das unpassende Fachgebiet (siehe Punkt 3) hat abbringen lassen, wird einem der Prof – nach kurzem Durchblättern der auf seinem Schreibtisch liegenden, und vom Assistenten beurteilten, Hausarbeiten – ein Thema geben, dass absolut nichts mit den selbst vorgeschlagenen zu tun hat, aber in sein eigenes Repertoire passt. Der Professor an sich ist eben ein Gewohnheitstier.

Ich mochte meine Professoren und Dozenten fast ausnahmslos alle und mit ein bisschen gutem Willen, kommt man auch mit den Baumarktmitarbeitermentalitäten klar. Ich habe Stunden vor Bürotüren verbracht, um schließlich abends um halb 10 doch noch eine Audienz beim Lit’wiss-Papst zu erhalten und nach 2 Minuten wieder draußen zu stehen, weil die vor 4 Monaten abgegebene Hausarbeit noch immer nicht benotet ist.
Aufgewogen wurde das immer von den wenigen Dozenten, die sich wirklich den Popo aufgerissen haben und 14 Stunden täglich an der Uni waren. Dozenten, die ausnahmslos jedes Semester andere Vorlesungen angeboten haben und zur Not auch samstags vormittags mal Zeit für einen Kaffee hatten, um einem die Prüfungsangst zu nehmen.

Hach ja… das waren noch Zeiten. ;]

~ von Sasy - Dezember 24, 2011.

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