Blindfisch

Ich bin vorhin über einen Blogeintrag von Heiko gestolpert, der sich mit der (nicht vorhandenen) Ersatzbrillenpflicht im Auto beschäftigt. Ich bin ja nun von Kindesbeinen an eine bekennende Blindschleiche und habe immer eine Ersatzbrille im Auto. Ich hab sogar eine dabei, wenn ich mal mit dem Zug etwas weiter wegfahre. Ich sehe nämlich ohne meine Glasbausteine nichts. Ich muss meine Brille selbst dann aufsetzen, wenn ich nachts mal pullern muss, weil ich mir sonst auf dem Weg zum Klo wahrscheinlich den Hals brechen würde. Ohne Brille Auto fahren funktioniert demnach auch nicht. Ich könnte wahrscheinlich nicht mal eine Zug betreten und einen freien Platz finden, ganz zu schweigen vom Lesen des Fahrplans oder der Bahnhofsuhr. Irgendwo mal ohne Brille zu stranden, gehört zu meinen absoluten Alpträumen.
Ich gehöre auch zu den Menschen, die zwar auf einem Schiff gerne über die Reling gucken, dabei aber ihre Brille mit beiden Händen festhalten, damit sie nicht bei einer unbedachten Bewegung in den Tiefen des Meeres versinkt.

Selbst Situationen in denen ich für kurze Zeit meine Brille abnehmen muss, empfinde ich als unangenehm. Der Friseur ist so ein Beispiel. Ganz wenige können „um die Brille herumschneiden“ und deshalb sitze ich dann schließlich immer mit gesenktem Blick im Stuhl und strahle wahrscheinlich Unfreundlichkeit pur aus. Tatsächlich ist es aber so, dass ich im Spiegel einfach nichts erkenne, weder mich selbst, noch die Friseurin/den Friseur. Als Normalsichtiger kann man sich wahrscheinlich gar nicht vorstellen, wie unangenehm es ist, die Mimik von jemandem nicht erkennen zu können. Ich sehe ohne Brille nur einen hautfarbenen Kreis und sonst nichts. Ich weiß nicht, ob ich angelächelt werde oder ob jemand fragend die Augenbrauen hebt. Das erschwert die Kommunikation ungemein. Um die Friseurin/den Friseur nicht zu irritieren, gucke ich beim Haareschneiden deshalb nicht in den Spiegel. Da ich auch kein Fan von Smalltalk bin, ist ein Friseurbesuch für mich eher eine Pflichtveranstaltung, die ich auch gerne mal ein paar Monate vor mir herschiebe.

~ von Sasy - Juni 13, 2012.

2 Antworten to “Blindfisch”

  1. Ah, ich kann das nachempfinden, ich fühl mich immer schon blöld, wenn ich meine Brille im Brillenladen putzen lasse. Oder in der Sauna, ganz schlimm. Ich denk immer „Wo guck ich grad hin?“ „Wer guckt mich grad wie an?“ LOL Aber das mit der Ersatzbrille im Auto ist eine gute Idee. Ich hatte bisher immer als Notfalllösung Einmallinsen.

    • Oh Gott, ja, im Brillenladen ist es auch schlimm. Wenn ich eine neue Brille brauche, muss ich immer jemanden mitnehmen, weil ich mich selbst ja nicht im Spiegel sehen kann. :[

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